Bauprojekt


Wozu braucht der CVJM Erlangen ein neues Jugendhaus?

Ja, wozu eigentlich? Weshalb braucht der CVJM Erlangen ein neues Jugendhaus? Diese Frage mag sich stellen, wer durch das Törchen in der alten Stadtmauer unser Gelände betritt und plötzlich vor dem stolzen, burgartigen CVJM-Haus steht. Ein großes Haus sollte doch reichen?! Kann man die alte, gelbe Holzbaracke am hinteren Hofende nicht einfach ersatzlos abreißen? Sind im scheinbar großen Haupthaus nicht genügend Räume vorhanden – gerade in Zeiten, in denen Kinder- und Jugendgruppen Mangelware sind?
Nein, sage ich! Nein, nein und nochmals nein. Wir können keinesfalls auf ein neues Jugendhaus verzichten. Und dafür gibt es mindestens vier gute Gründe.

1. Viele Gruppen brauchen viel Raum
Baracke
In die Jahre gekommene Baracke

An manchen Wochentagen sind es zwei, drei oder auch schon mal vier Gruppen, die sich gleichzeitig in unserem CVJM-Anwesen treffen. Alle ihre Aktivitäten zur selben Zeit im Haupthaus – das würde nicht klappen. Entweder weil sie sich gegenseitig stören oder weil nicht alle im Haupthaus vorhandenen Räume für die jeweilige Aktivität geeignet sind.
Beispielsweise montags: eine Vorstandssitzung, der Montagsgesprächskreis und die Posaunenchorprobe. Oder dienstags: die Jugendgruppe „Platzhalter“, der Erwachsenenkreis „30plus“ und dann auch noch eine Mitarbeitergruppe die eine Freizeitaktion oder ihre Gruppenstunde planen möchte. Am Donnerstag nimmt am Abend ohnehin der Schlaraffenverein das Haupthaus in Beschlag. Ohne Ausweichquartier könnte sich weder der Mitarbeiterausschuss noch ein Vorbereitungskreis oder Gremium treffen. Und erst am Freitag! Zwei Jungscharen, eine Jugendgruppe, der Klausenbetrieb und manchmal im Saal noch eine Feier. Wir platzen schon jetzt aus allen Nähten – wie wäre es wohl, wenn wir kein Jugendhaus (mehr) haben…

2. Jugendarbeit im 21.Jahrhundert benötigt große Küchen

In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat gemeinsames Kochen und Essen noch nie eine so wichtige Rolle gespielt wie in der heutigen Zeit. Seit etwa sieben Jahren gibt es kaum mehr eine Gruppe, die nicht mindestens einmal im Monat miteinander kocht und isst; manche machen das sogar wöchentlich als Teil ihres Gruppenkonzepts. Solche Programme sind in unserem Verein derzeit schwierig umzusetzen, da nur zwei winzige Küchen – in der Klause und neben dem Saal zur Verfügung stehen. In unserem neuen Jugendhaus ist auch eine große Küche geplant, in der das Kochen mit 15 Personen möglich sein wird. Damit werden wir den Konzepten moderner Kinder- und Jugendarbeit gerecht.

3. Sanitäranlagen fehlen

Häufig finden in unserem CVJM-Haus Gruppenübernachtungen statt. Auch Übernachtungs-Anfragen von befreundeten Gruppen, durchreisenden CVJM oder Kirchengruppen erhalten wir immer wieder. Solche Gruppenübernachtungen sind bislang schwierig und müssen zuweilen auch abgelehnt werden, denn die vorhandenen sanitären Einrichtungen, also die beiden Toilettenräume im Haupthaus, sind dafür nicht ausgerüstet. Es fehlen Duschen und einige Waschbecken. Auch für dieses Problem sollte ein neues Jugendhaus mit zusätzlichen Sanitärräumen und -einrichtungen Abhilfe schaffen.

4. Einen Saal für die Jugend – nicht für die Ritter
Stadtheim des CVJM Erlangen
Stadtheim des CVJM Erlangen

Den CVJM-Saal kennt man in Erlangen auch als „Schlaraffensaal“. Wie hinlänglich bekannt ist, teilen wir unser Haus, vor allem unseren Saal, mit dem Erlanger Schlaraffenverein. Deshalb darf an der Einrichtung und am Gepräge des Saales nichts verändert werden. Für manche heimelig gestaltete Feier mag der rittersaalähnliche Raum in der „Erlanger Schlaraffenburg“ den richtigen Rahmen bieten, aber ein modernes Ambiente für Feste und Veranstaltungen mit Kindern und Jugendlichen bietet er genau so wenig, wie eine helle, freundliche Atmosphäre für offene Veranstaltungen. Dafür ist in unserem Jugendhausneubau ein flexibles Raumkonzept vorgesehen, mit dem die drei kleinen Gruppenräume durch aufziehbare Trennwände in einen freundlichen, hellen Saal mit zirka 100 Quadratmetern verwandelt werden können. Diese Fläche entspricht übrigens der Größe des „Rittersaals“. Und auch diese Alternative tut Not!
So hoffen wir, dass durch den Gruppenhausneubau nicht nur ein Ersatz für die Jugendbaracke geschaffen wird, sondern sich auch viele andere Dinge für unsere Erlanger CVJM-Arbeit verbessern werden.


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Liebgewonnenes Provisorium

2016_Bau_JS_KreuzritterBlau und gelb blättern langsam, aber sicher, von der massiven Holztür ab. Ein Schlüssel – der sogenannte Buntbartschlüssel – schließt das Schloss und gewährt so Eintritt. Eine Stufe – der typische Geruch von Holz, Staub und vergangener Zeit steigt in die Nase – ein Klicken des Lichtschalters und der Gang der Baracke wird sichtbar. Eine andere Welt, eine andere Zeit.

Von allen Seiten führen Türen ab. Fast wie ein Adventskalender im Dezember: hinter jedem Türchen gibt es spannende Entdeckungen. Auch das ist immer irgendwie eine andere, eine spannende Zeit. Aufpassen muss man, dass man nicht aus dem Gleichgewicht gerät, denn an mancher Stelle ist der Boden uneben man spürt die 70-jährige Geschichte der Baracke.

2016_Bau_KreuzritterDieser Raum riecht mehr noch nach Holz als der Gang. IKEA-Raum wird er genannt wegen seiner langen Bänke, dem großen Tisch. Ja, fast wie bei IKEA ist es hier. Das Fenster, das sich nur schwer öffnen lässt, zeigt auf den Hof hinaus, das andere zur Seite. An den Wänden, Bildern, Regalen sind deutsche Wörter und Grammatik zu finden. Hören kann man vormittags Sprachen aus anderen, fremden Ländern und Kulturen. Der Grund: hier trifft sich das Spracheninstitut Matthäus. Fast jeden Monat hört man hier aber auch viele Diskussionen. Diskussionen um den Verein. Diskussionen um Entscheidungen zu treffen.

2016_Woodchucks_1Es klingt fast wie Kampfgeschrei, das aus einem anderen Zimmer zu hören ist. Es klingt nach: „Achtung! Betreten des Zimmers kann lebensgefährlich sein.“ Doch eigentlich klingt es eher nach Geschrei von Jungen. Das müssen die Kreuzritter sein. So kündigt es zumindest das Schild auf der Tür an. Das Zimmer: schlicht aber mit persönlicher Note. Löcher in der Tür sind notdürftig gestopft. An den Wänden finden sich einige Weltkarten und Plakate mit Bildern, Urkunden. Stühle gibt es hier viele, ein Klavier und einiges Material. Doch es ist spürbar eine (Kreuz-) Ritterburg.

2016_Bau_JS_RaumDer sogenannte Sofaraum ist vielleicht der „gefährdetste“ Raum der Baracke. Nein, nicht weil er kaputter ist als die anderen. Es hausen darin „Waldmurmeltiere“. Die fühlen sich darin sichtlich wohl, denn sie gestalten ihn so, wie er ihnen gefällt: Sofas im Kreis, Sofas am Rand, Sofas in der Mitte… Die rund 16 Mädels haben bereits ein Bild ihres Namensgebers, dem Woodchuck, aufgehängt. „Jetzt denkt man immer gleich an die Leute, wenn man reinkommt.“, sagt Sophie eine Mitarbeiterin der Woodchucks. Das Besondere der Baracke ist für die Mädchengruppe laut Judith ihr Raum: „In unserem Sofaraum können wir uns gemeinsam in einen großen und gemütlichen Kreis auf den Sofas setzen und singen, Brettspiele spielen oder Andachten hören.“ Dass sich im Sofaraum auch manchmal Erwachsene treffen, wird höchstens am Dienstag Abend sichtbar, wenn sie sich dort treffen um gemeinsam zu singen, diskutieren, in der Bibel zu lesen oder KulTour zu erleben.

2016_Bau_Spatzen

Eine Tür weiter wuseln gut gelaunte Mädchen umher. Man nennt sie Spatzen. Viele Bilder bestücken die Wände. Steckbriefe sind zu finden. Ein Geburtstagskalender in Raupenform, Träume der Mädchen hängen an der Wand. Fast fühlt man sich hier wie in einer anderen Welt. Kaum zu glauben, dass das auch ein Raum der Baracke ist. Bunt ist es hier. Die Spatzen haben sich hier eingerichtet wie es ihnen gefällt. Doch gerade das ist das Wichtige für Theresa, eine Mitarbeiterin bei den Spatzen: „Für mich stecken in der Baracke wunderschöne Erinnerungen, Geborgenheit und viele Möglichkeiten, seine Jungschar gut zu gestalten.“

Kalt ist es überall. Die einzelnen Räume sind beheizt, aber so richtig warm wird es hier nicht im Winter. Fast die ganze Länge der Baracke muss man ablaufen, um sie wieder zu verlassen. Eine Stufe führt wieder zurück ans Tageslicht. Hier riecht es frisch und es fühlt sich an in einer ganz anderen Zeit gewesen zu sein. Vielleicht ist die Baracke eine Art Zeitmaschine, in der die Zeit eine ganz andere ist. Eine andere Zeit in einer Baracke, die persönlich gestaltet, aber unperfekt ist. Das Provisorium – das es schon immer war – ist doch an vielen Ecken zu sehen, spüren und zu riechen.



Von der Siemens-Baracke zum CVJM-StadtheimChronik_baracke

Was als Provisorium im vergangenen Jahrhundert entstand, hat bis heute Bestand: Mehr als sechzig Jahre hat die Stadtheimbaracke als CVJM-Heim schon auf dem Buckel. Rechnet man die Zeit als Siemens-Standort und als Luftwaffenhelfer-Unterkunft noch dazu, kommen mehr als 70 Jahre zusammen. Inzwischen nagt aber der Zahn der Zeit deutlich am morschen Holz.

2016_bau_AbbrucharbeitenIm Frühjahr 1955 wurde dem CVJM von der Firma Siemens-Schuckert-Werke eine nicht mehr benötigte Baracke geschenkt. Diese stand – mit vielen anderen Baracken zusammen – am Rande der Stadt, Richtung Nürnberg. Während des Krieges als Unterkünfte für Luftwaffeneinheiten erbaut, waren sie in der Nachkriegszeit ein willkommener Standort für die aus Berlin übergesiedelte Firma Siemens.

Mitglieder der Hauptabteilung des CVJM Erlangen sorgten für den fachgerechten Abbruch in der südlichen Nürnberger Straße. Ein Teil wurde im Hof des CVJM-Stadtheims in der Südlichen Stadtmauerstraße gelagert, bis die Baugenehmigung erfolgte. Der damals schon pensionierte Stadtbaurat Adel war dem Verein dabei eine große Hilfe. Etwa ein Drittel des Bauwerks wurde dann im Stadtheim neu aufgebaut – das größere Teil steht noch heute als „Waldheim“ in Dachstadt.

2016_bau_Aufbau_2

Viele fleißige Hände waren nötig, um aus den gelagerten Teilen ein Jugendheim entstehen zu lassen. Freiwillige, Studenten und Schüler – und wer sonst noch Zeit hatte – waren am Bau beteiligt. Einer der Helfer, Walter Hiltner, erinnert sich  an eine dramatische Situation: „Zunächst ging alles zügig voran. Doch wir hatten an der falschen Stelle angefangen und mussten dafür Lehrgeld bezahlen. Nachdem wir zirka die Hälfte des Bauwerkes stehen hatten, knickte der Bau in sich zusammen. Einer der Freiwilligen wurde dabei von den Holzteilen eingeklemmt und wir mussten einen Krankenwagen bestellen. Schneller als der Krankenwagen stand schon die Kriminalpolizei im Hof. Dank der Einflüsse von „Papa Fild“ konnte der Vorfall jedoch schnell bereinigt werden, zudem auch der Verunglückte keinen größeren Schaden genommen hatte.“

Jungschar und Jungenschaft fanden seither jede Woche in den Räumen der Baracke statt. Ab Mitte der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts kamen mit „Podium“ und „Prisma“ Kreise junger Erwachsener hinzu. Im „Bibelstudium“, das war der Raum am Ende des Flurs, der durch eine große Tür betreten wurde, gab es Bibelstunden. Viele Jahre war auch das CVJM-Büro in der Baracke untergebracht – zunächst im heutigen Zelt-Lager und – als mehr Platz nötig wurde – im „Ikea-Raum“ gleich rechts am Eingang.

Als vorteilhaft erwies sich, dass jeder Gruppenraum individuell gestaltet werden konnte: die Jungschar-Blockhütte mit Baumrinden an den Wänden wurde als Kreuzritter-Raum mit Nut- und Federbrettern verkleidet. Auch andere Räume haben in all den Jahren mehrfach ihr Aussehen verändert – je nachdem, welche Anforderungen die Teilnehmer an „ihren“ Raum hatten. Robust aber waren alle, entstehende Schäden kaum sichtbar – ein entscheidender Vorteil in der Jugendarbeit.